Idee zur Reise

Hastig packten wir die letzten Sachen, um uns anschliessend gestresst mit dem Bus an den Bahnhof, mit der Bahn zum Flughafen und mit dem Flugzeug nach Ägypten transportieren zu lassen. Dort organisierten wir eine Überlandfahrt nach Dahab. Schweissgebadet und voll bepackt mit Rucksack suchten wir nach einer geeigneten günstigen Unterkunft und hielten auch gleich Ausschau nach einem Divecenter. In dieser kostbaren Ferienwoche wollten wir möglichst viel erleben, somit war jeder Tag verplant.
Während eines Tauchausflugs zum Frack der Thislegorm trafen wir auf eine relaxte junge Frau, die schon seit zwei Jahren auf Reisen war. Diese Begegnung entpuppte sich als Schlüsselerlebnis in unser beider Leben. Da ich aus einer Familie komme, wo man höchstens während der Schulferien ans Mittelmeer fuhr, hatte ich bis dahin noch nie daran gedacht, selbst einmal so lange zu reisen – dieser Gedanke lag fern ab von meinem Erfahrungshorizont. Natürlich war ich vorher auch schon ein- zwei Monate unterwegs gewesen, aber Jahre…- nein, so weit wagte ich nie zu denken, bis zu besagtem Tag: Beim Abendessen unter Palmen stellten wir auf einer Serviette die ersten Berechnungen an und kamen zum Schluss, dass es für uns realisierbar wäre, innerhalb von vier Jahren genug Geld beiseite zu legen. Da Niklaus damals noch an seiner zweiten Ausbildung war und wir beide nicht die Hammerverdiener sind, musst der Sparhorizont mittelfristig angelegt werden.
Es war beschlossene Sache, kaum zurückgekehrt, kündigten wir unsere Wohnung auf dem Land, mieteten eine neue, günstigere in der Stadt nahe von unseren Arbeitsplätzen und verkauften das Auto. Auch sonst entledigten wir uns von allerhand Ballast, der sich über die Jahre angesammelt hatte und in der neuen, kleineren Wohnung sowieso keinen Platz gefunden hätte.
Unser Ziel war klar: Wir wollten Geld sparen, um einfach mal losfahren zu können und erst dann zurück zu kommen, wenn wir genug gesehen, erlebt, gespürt, gerochen, geschlafen und genossen - oder durchgemacht hatten. Wir wünschen uns auf unserer Reise die Natur intensiv zu erleben, Menschen anderer Kulturen zu treffen und hoffen, dabei einzelne Einblicke in eine uns fremde Welt zu bekommen.
Schon immer zogen wir Individualreisen den Pauschalangeboten aus den Hochglanzprospekten vor und da wir uns Zeit lassen wollten, war auch klar, dass wir keine „Inselhopping- Weltreise“ buchen würden.


Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist´s: Reise, reise!
Wilhelm Busch (1832-1908)